Zurück auf der Junggesellen-Runde

nein, meine liebe Damengemeinde, ich bin nicht wieder unter die Singles geraten. Aber diese Geschichte hat natürlich etwas mit meiner Singlezeit zu tun. Anfang der 90er Jahre, als ich von Stuttgart nach Bad Homburg zum Arbeiten gekommen bin, war ich – zum Leidwesen meiner Mutter – einige Zeit Single. Wie nutzt man die viele Freizeit und den Hormonüberschuss als Single am Besten – natürlich mit Sport. So habe ich mich ein paar Jahre relativ intensiv dem Triathlon verschrieben. Aus dieser Zeit stammt die Junggesellen-Runde. Es ist eine 60 km Rad-Runde von Bad Homburg über Karben, Heldenbergen und andere schöne hessische Dörfer wieder zurück nach Bad Homburg. Schön abwechslungsreich mit ein paar anstrengenden Hügeln dazwischen. In guten Zeiten war dies eine schöne Runde nach Feierabend. Für etwa zwei Stunden je nach Wind, Ampeln und Form natürlich. Dort habe ich mir meine Radkondition geholt, denn beim Schwimmtraining waren die Trainingskollegen vom Schwimmclub Bad Homburg immer versucht mir einen Rettungsring zuzuwerfen. Es sah wohl mehr nach Ertrinken als nach Kraul aus. Beim Radfahren habe ich dann aber das Feld von hinten aufgerollt. Vom Triathlon geblieben ist die Begeisterung für das Rennrad fahren. Vor zwei Wochen konnte ich mein Rad von der Inspektion abholen. Bei der Übergabe bezeichnete es der Rad-Mechaniker als „Exot“. Leider war der Hersteller Principia betriebswirtschaftlich offensichtlich nicht so gut drauf wie im Bau von Rennrädern. Nach einer Insolvenz dümpelt die Marke leider in der Nische herum. Wenn der Rad-Mechaniker aber mein 26 Zoll Principia Tria-Rad gesehen hätte, wäre eine Steigerung für „Exot“ fällig gewesen. Es hat einen Ehrenplatz in der Garage. So, jetzt aber zurück zur Junggesellen-Runde. Diese Tour habe ich bislang gemieden, da ich bei jeder Wegmarke meine Bestzeiten kenne und die heutige Realität doch ganz schön weit weg davon ist. Aber heute sollte es doch wieder sein. Die Sonne scheint, leichter Wind und Fußball-WM. Beste Voraussetzungen für eine Junggesellen-Runde. Zumal ich bei meinen letzten Runden festgestellt habe, dass ich durch die nachlassende Sehschärfe meiner Augen den Tacho nicht mehr ablesen kann. Die harte Realität kommt also erst zu Hause beim Wechseln der Sonnenbrille gegen die Lesebrille.

Tatsächlich waren die Strassen überwiegend leer und nicht mal alle Ampeln auf rot. Die erfreuliche Überraschung kam bei meinem Angst-Berg. Früher ist das Rad wegen des schlechten Belags noch nicht einmal von alleine bergab gerollt. Jetzt ist die Strasse neu geteert und siehe da, der Berg hat seinen Schrecken verloren. Am Ende der Runde hat die starke Sonne offensichtlich Halluzinationen bei mir ausgelöst. Ich sah immer ein Radler und eine Butterbrezel vor mir. Diese Vorstellung hat mich dann auch über die letzten Hügel gebracht und nach 2:15 war ich glücklich und müde wieder zu Hause. Die Halluzinationen haben sich nach einem kalten Radler und einer echten Butterbrezel auch wieder gelegt.

Jetzt freue ich mich schon wieder auf die nächste Junggesellen-Runde. Morgen ist Formel 1 und ein wichtiges WM-Spiel. Wenn ich da die Strassen nicht für mich alleine habe – nur ab und zu der Sound (nein:Krach) einer Vuvuzela, wenn die Deutschen wieder ein Tor geschossen haben oder Vettel mit großem Vorsprung über die Ziellinie gefahren ist …

Und hier ein Bild von meinem „Exoten“ (Principia 28 Zoll, Shimano Ultegra, Sonderlackierung blau):

Principia "Exot"

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