08.01.2010 Oudtshoorn – ungeplanter Familienzuwachs

Gut gestärkt nach dem Straussen-Rührei sollte es weitergehen auf unserer Fahrt nach Prince Albert, einem kleinen Städtchen in der großen Karoo. Um von Oudtshoorn dorthin zu gelangen geht es über den 1536 Meter hohen Swartberg Pass. Die 72 Kilometer lange Serpentinenstrecke durch eine beeindruckende Berg-Landschaft ist nicht asphaltiert, also Wellblechpiste und das auch noch steil den Berg hoch. Nicht gerade ideales Terrain für unser kleines Wägelchen. Auf dem Weg liegen noch die weltberühmten Caro Caves, rießige Tropfsteinhöhlen beeindruckenden Ausmaßes. Ein schönes und anstrenegndes Tagesprogramm also. Die Koffer waren ins Auto gepackt und ich habe unserem Wägelchen schon Mut zugesprochen „gemeinsam machen wir das schon, ich am Gas und Du mit deinem kleinen Motörchen volle Pulle“. Da funkte uns Dario ins Programm. Am Vortag hatte er uns von seinem Projekt erzählt, in dem er Kinder in der Gegend dadurch unterstützt, dass er Paten für das Schulgeld findet. Einfach irgendwohin Geld zu geben, macht in Südafrika gar keinen Sinn. Nur zu schnell ist es weg für Alkohol und andere Dinge und es ist kein Schulgeld mehr für die Kinder da. Auch achtet Dario darauf, dass es Kinder sind, die gut in der Schule sind und zielstrebig. Wir waren gleich Feuer und Flamme für diese Idee. Doch es sind im Moment Schulferien und innerhalb ein paar Stunden lässt sich in Südafrika nichts bewegen, ausser man heisst Dario und ist besessen von einer Idee. Seine Wahl viel auf Chantelle, die zweitjüngste Tochter seines Farmboys. Sie ist 10 Jahre alt und war bereits mehrfach Klassenbeste. Die größere 12-jährige Schwester geht bereits auf eine weiterführende Schule. Wir sollten die Familie und natürlich Chantelle kennenlernen, um zu entscheiden, ob wir sie mit dem Schulgeld unterstützen wollen. Die Familie wohnt in einem kleinen gemauerten Häuschen mit zwei Schlafzimmern und einem Wohnzimmer an der Piste, die zum Straussennest führt. Es war also kein Problem auf dem Weg zu unserer nächsten Station dort Halt zu machen. Es erwarteten uns drei goldige Kinder und die Entscheidung Chantelle zu unterstützen war keine Frage mehr. Jetzt wollten wir uns natürlich auch ein bisschen kennenlernen. Wir  entschlossen uns mit allen Dreien einen kleinen Ausflug zu machen. Ein herausforderndes Unterfangen, in Anbetracht der Tatsache, dassdie große Schwester nur ein wenig Englisch spricht und wir natürlich kein Afrikaans. Also flugs die Koffer wieder in den Pickup von Dario umgeladen und die drei Kleinen ins Auto und ab nach Oudtshoorn. Doch wir kannten Oudtshoorn zu wenig und die Kinder konnten und wollten aus Schüchternheit ihre Wünsche nicht äussern. Durch Zufall liefen uns in Oudtshoorn aber Verwandte der Kinder über den Weg, die gut Englisch sprachen. Die waren natürlich erst einmal geschockt, die Kinder mit zwei Fremden in der Sadt anzutreffen. Doch die Situation war schnell aufgeklärt und dank der Übersetzungshilfe konnten wir einen kleinen Tierpark für Kinder identifizieren, zu dem sie gerne hinwollten. Dort angekommen waren wir natürlich die Attraktion und mussten erklären, wie wir zu den drei kleinen süßen schwarzen Kindern kommen. Die Kinder hatten ihren Spaß beim Füttern von Kaninchen, Eseln und Straussen. Die Kamele waren ihnen unheimlich, nicht aber die großen Burger und die Eiscreme danach. Es ist einfach herrlich in solche glücklichen Kinderaugen zu schauen. Während wir also plötzlich wieder in der Rolle von Eltern kleiner Kindern waren, hat Dario den nächste „Anschlag“ vorbereitet. Er hat den Rektor der Schule aus seinen Ferien gerissen und gemeinsam sind wir anschliessend in die Schule gegangen. Dort haben wir das Schulgeld direkt beim Rektor in der Schule einbezahlt und konnten die noch verwaiste Schule besichtigt. Für Chantelle sind jetzt ein paar Steine aus dem Weg geräumt. Sie möchte gerne Anwältin werden. Um das zu schaffen muß sie einen völlig anderen Weg gehen, als all die anderen Mädchen in ihrem Alter, die häufig mit 14 Mutter werden und dann die Schulausbildung abbrechen.Weil kein Geld mehr da ist, keine Zeit und/oder auch keine Motivation.Wir wollen Chantelle ein bisschen dabei helfen, der Antrieb muß jedoch weiter von ihr selbst kommen. Dario wird in Kontakt mit der Schule bleiben und wir erhalten die Schulzeugnisse über ihn. Jetzt hat Südafrika ein Gesicht und einen Namen für uns. Das verändert Vieles. Daneben unterstützen wir ja bereits die Pflegemama und die Suppenküche in Kirkwood, ein Projekt der Lemon3Lodge.

Am späten nachmittag stand dann aber noch die anstrengende Fahrt über den Pass nach Prince Albert an. Mutterseelenalleine haben wir uns die lange Serpentinenstrasse hoch- und wieder heruntergearbeitet, bis wir abends erschöpft, aber glücklich in Prince Albert ankamen.
Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Dario und Carmen für Eure Unterstützung. Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde trifft hier einmal zu! Ich habe größten Respekt vor den Auswanderern in Südafrika, die zu Hause alles stehen und liegen lassen und in einem fremden Land neu anfangen – und bei all dem Stress die Unterstützung für die Hilfsbedürftigen dieses Landes nicht aus dem Auge verlieren.

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